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Bei der Studie des BMZ z.B. wurden die Auswirkungen des Altkleiderexports in den Ländern
Benin, Kamerun und Ghana untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eine schädliche Wirkung
der Altkleiderimporte nicht festgestellt werden kann. Sogar eine aktuelle Studie des Dachverbandes
Fairwertung kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Altkleider aus Westeuropa weder die Textil-und
Bekleidungsindustrie noch den Bekleidungshandel in Mittel- und Osteuropa negativ beeinflussen.
Tatsache ist, dass die Menschen in den Drittweltländern nicht arm sind, weil sie
Gebrauchtkleidung importieren, sondern sie kaufen sich Gebrauchtkleidung, weil sie arm sind und
auch schon vor den Importen arm waren. Ein Einfuhrverbot für Gebrauchttextilien sowie hohe
Zölle und Subventionen ändern gar nichts. Viele Menschen dort kaufen Gebrauchtkleidung,
weil sie sich neue Kleidung nicht leisten können. Der Zusammenbruch der afrikanischen
Baumwollindustrie ist vor allem auf die schlechte Qualität und die unzureichende
Wettbewerbsfähigkeit zurück zu führen. Ein Importverbot würde gerade die
Ärmsten empfindlich treffen. Und: Die so verpönten Gebrauchtkleiderimporte haben
bereits jede Menge Arbeitsplätze in diesen Ländern geschaffen. Da sind z.B. die
Großhändler, die Markthändler, die Änderungsschneider, die Färber...
Die Einfuhr von Gebrauchtkleidern hat in diesen Ländern einen neuen Industriezweig
geschaffen. Der Ruf nach einem Stop der Gebrauchtkleiderimporte kommt einer Bevormundung der
einheimischen Bevölkerung gleich. In den Drittlandstaaten gibt es einheimische Schneider,
es gibt Billigimporte aus Asien und es gibt Gebrauchttextilien. Natürlich wird jeder
für sich, wie überall anders auch, für den Alltag die preisgünstigste
Variante und für Festtage vielleicht etwas teureres wählen. Welcher Schneider wird
versuchen, wettbewerbsfähig und preisgünstig zu arbeiten, wenn er von diversen
Behörden in Form von Einfuhrverboten geschützt wird? Erreicht man mit solchen
Protektionen nicht gerade das Gegenteil vom angestrebten Ziel? Beim Wegfall der Gebrauchtkleider,
die übrigens hervorragend erhalten aber viel günstiger als Neuware sind, würden
die Länder mit asiatischer Billigware überschwemmt werden. Der Grund dafür ist
sicherlich in der Armut der Menschen dort zu suchen, die einfach nicht das Geld haben, ihre
normale Alltagskleidung beim Einheimischen Schneider anfertigen zu lassen. Auch in Westeuropa
wählen die Menschen, ebenfalls oft genug aus finanziellen Gründen, Gebrauchtkleidung
aus Second- Hand- Läden.
Das "Geschäft mit Altkleidern" ist ein wichtiger Wirtschaftszweig sowohl in Deutschland wie
auch im Ausland geworden.
Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland ca. 10.000 Menschen in Textilrecycling
beschäftigt sind, europaweit ca. 100.000. Auch im nicht europäischen Ausland haben die
Gebrauchtkleiderimporte viele Arbeitsplätze und Industriezweige geschaffen. Studien zufolge
leben z.B. allein in Ghana ca. 1,5 Millionen Menschen vom Handel und der Umänderung von
Gebrauchttextilien. Der Ruf nach einem Verbot der Altkleiderexporte ist sicherlich nicht der
richtige Weg, um Armut und Benachteiligung in diesen Ländern zu begegnen, sondern
würde gerade noch die Ärmsten treffen.
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